Kleine Hirnsturm-Einladung für meine neurodivergenten Genoss*innen:

Im nächsten Podcast will ich über diese typisch neurodivergenten alltäglichen Anstrengungen und Erschöpfungen, und wie sich das anfühlt und auswirkt, sprechen. Was es mit uns macht. Was es auslöst.

Was darf ich da nicht zu erwähnen vergessen?

Gern 3-5 Sätze (die ich zitieren darf) oder kleine Audios (max. 2-3 Minuten) sind herzlich willkommen.

(DM oder Mail guck unter @imspektrum )

#Autismus #ADHS #AuDHS

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in reply to Sofasophia

Aktuell strengt es mich total an, dass ich es nicht schaffe, an einer wichtigen Aufgabe zu arbeiten. Ich versuche es, aber es gelingt mir nicht. Mein Hirn verweigert mir Konzentration darauf. Ich weiß, dass ich es erledigen muss, was mich stresst - und der Stress ist weitere Anstrengung. Dann bin ich zu geschafft, um es überhaupt zu versuchen, weil sowhl Körper als auch Hirn nach Ruhe schreien.
in reply to Sofasophia

Meine Löffel sind begrenzt und es ist einfach unendlich traurig, dass Menschen nicht verstehen, wie anstrengend der Alltag sein kann. Der Versicherungsmensch möchte sich gerne in seinem Büro treffen. Der Gedanke allein stresst mich total. Das fängt beim Parkplatz suchen an, aber eben auch die menschliche Interkation an sich ist unendlich anstrengend. Telefonate, kleine Erledigungen, alles schlaucht und dann hat man keine Energie mehr übrig um sich auch nur zu entspannen.
in reply to Kate Hildenbrand (DE)

Während des Gesprächs brauche ich Energei um die Metaebene zu analysieren und verpasse dann manchmal den eigentlichen Inhalt. Oder es wurde ein Wort gesagt, dass einen Ohrwurm oder eine Phrase triggert, die ich dann komplett durchspielen muss. Gleichzeitig muss ich mir Gedanken machen, wie ich betone, gucke, wohin ich gucke, wie genau ich formuliere, weil ich eben nicht mit allen so reden kann, wie ich denke. Ob runterdummen oder zügeln, beides anstrengend.
in reply to DasNest

@DasNest Das Problem habe ich vor allem im Englischen, wo mein Vokabular sehr nuanciert und weit ist. Im Studium musste ich dann immer in einfache Sprache übersetzten und die einfachste Version aller Formulierungen nutzen. Ich will damit nicht sagen, dass die anderen dumm sind, aber ich muss einfach meine Sprache in einfachere Sprache übersetzen und das kostet viel Kraft. Im Deutschen habe ich das auch, aber weniger ausgeprägt.
in reply to DasNest

@DasNest Das ist aber jeweils ein ganzer Satz.

Mal abgesehen davon, dass ich das runterdummen auf meine eigene Sprache bezogen habe, nicht auf mein Gegenüber.

Ich sehe deinen Punkt. Ich beleidige Menschen nicht wegen weniger Intelligenz. Aber eine gute kurze Formulierung für den Prozess der Übersetzung in leichtere Sprache hab ich noch nicht gefunden.

in reply to Kate Hildenbrand (DE)

@rootsandcalluses "Runterdummen". Was ein tolles Wort! ❤ Genau das mache ich seit meiner Kindheit. Um verstanden zu werden, bzw. komplexe Gedanken oder Sachverhalte anderen Menschen zugänglich zu machen.

Anstrengend, ja. Und vor allem ist sowas, zumindest bei mir, mit einem sehr einsamen Gefühl verbunden, weil die allermeisten Menschen mich nicht verstehen wollen oder können, wenn ich mich nicht runterdumme.

@DasNest @sofasophia

in reply to Erdrandbewohner

@Erdrandbewohner
Unendlich anstrengend und ja, auch in gewisser Weise einsam. Ich wurde von anderen als dumm oder komisch gesehen, weil ich teilweise nicht schaffte meine komplexen Gedankengänge genug an deren Sprache anzupassen. Und wer mich nicht verstehen kann, mit dem kann ich auch nicht kommunizieren.

@DasNest @sofasophia

in reply to Kate Hildenbrand (DE)

@rootsandcalluses @Erdrandbewohner Mir war – shameonme – bis eben gar nicht so sehr bewusst, wie sehr ich das ebenfalls mache. Wie sehr ich mich daran gewöhnt habe, alles zu übersetzen, zu vereinfachen, was ich denke, fühle, beobachte. Ich verwende möglichst leicht verständliche Bilder, damit ich nicht wieder (wie so oft) missverstanden werde.
Es ist letztlich eine Vermeidungsstrategie. Ich denke immer sowohl aus Sicht der anderen als auch aus meiner, damit wir uns nicht an mir stoßen.
in reply to Sofasophia

Genau. Wir denken andere während der eh schon oft schwierigen Kommunikation (vor allem mit NTs) immer mit. Wir legen also mehr als doppelt so viel Energie darein, um verstanden zu werden oder einfach nur, um etwas mitzuteilen...

Aber es hat auch etwas Gutes: Wir können einfache Sprache, weil wir sie von Kind an geübt haben. Und somit können wir sehr gut auf jene eingehen, die wirklich eine einfache Sprache benötigen.

@rootsandcalluses

in reply to DasNest

@DasNest Es gibt das doppelte Empathieproblem. Ja. Siehe de.wikipedia.org/wiki/Doppelte…

Aber letztlich ist es nie die Majorität, die sich mit viel Energieaufwand bemüht, sondern es ist die Minorität, also wir neurodivergenten Menschen.

@rootsandcalluses @sofasophia

in reply to V'ger

@vger @Erdrandbewohner @rootsandcalluses Ich gehe einfach mal nicht davon aus, dass das hier eine geschlossene Gruppe ist. Sonst hätte mir jemand der bisher Beteiligten das wahrscheinlich gesagt, dass meine Beiträge nicht gewünscht sind. Und solange mich jemand nicht *freundlich* darauf hinweist, dass ich mich vergriffen habe, ändere ich meine Einstellung dazu auch nicht.
in reply to Sofasophia

Mit das häufigste Problem im Alltag für mich sind schwammig formulierte Fragen/Aufgaben/Anforderungen, zumindest wenn keine Möglichkeit zur Rückfrage besteht.

Gemeine Falle: Wenn doch eine Möglichkeit zur Rückfrage besteht, fühlen sich speziell Männer dadurch gerne mal in ihrem Ego gekränkt. Und dann natürlich das Minenfeld impliziter sozialer Erwartungen, v.a. hinsichtlich Hierarchien.

in reply to Sofasophia

Mein Klassiker ist Bäckerei.

Bedienung: "Was darfs denn sein?"
Ich: *gehe* - 50:50

Je unbekannter der Laden desto wahrscheinlicher.

Ab 05/2025:

Ich: "Alles so schön bunt hier - bin nur zum gucken da - aber meistens nehme ich dann doch was"

Ich beschreibe also genau was mit mir passiert wenn ich in so nen Laden komme und Druck entsteht, und schon "gehört" der Laden mir.

max. 3 Monate mit "Sorry bin Autist..." begonnen. Jetzt in max. 1/4 d. Fälle als Nachsatz.

@imspektrum
1/

in reply to Sofasophia

Treffen mit Freund*innen im Café oÄ weil die Umgebung extrem reizintensiv ist (Kaffeemühle/-maschine, Gespräche, Lichter, Gerüche etc). Unser Gespräch vom Hintergrund zu trennen, kostet viel Energie. Die Gespräche von anderen bewusst "ignorieren" (nicht darüber nachdenken). Zusätzliche Energie geht drauf für unangenehme Lichter, intensive Parfüms usw.

Was mich sehr stresst, fast jeden Tag: wenn meine Morgenroutine gestört wird oder Dinge am "falschen" Ort sind.

1/2

in reply to Random Weirdo

Ich habe einen sehr strikten Ablauf und seit Jahren das gleiche Frühstück und wenn ich das ändern muss, tut es fast physisch weh.

Ich habe "Regeln" für Tätigkeiten (ich habe mir überlegt, *warum* ich das genau so mache) und wenn jemand das durcheinander bringt (Dinge falsch eingeräumt, weg getan zB), ärgert es mich und kostet Kraft, weil ich umdisponieren muss.

2/2

in reply to Sofasophia

Richtig. Von außen mag es zwanghaft erscheinen. Das ist es aber nicht. Ich bekomme keine Panik, wenn es anders läuft oder befürchte schlimme Dinge. Auch im Urlaub zB kann ich ganz andere Abläufe sogar gut finden (geplante Planänderung).

Aber im Alltag sparen mir diese Routinen enorm viel Kraft. Ich weiß, dass es so funktioniert und dass es so gut funktioniert. Ich weiß, dass ich auf die Weise nichts vergesse und ich weiß, dass die Zeit passt und ich nicht zu spät sein werde.

in reply to Sofasophia

Ich bin von so vielen Dingen überfordert, dass es mich überfordert, darüber nachzudenken, was mich am meisten überfordert, um es hier aufzuschreiben.

Davon abgesehen überfordert es mich immer wenn ich spontan irgendwelche potentiell interessante Dinge über mich erzählen soll. Das ist besonders bei diesen Kennenlernrunden mit fremden Menschen der Fall, wo z.B. alle etwas ungewöhnliches über sich erzählen sollen.

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in reply to Sofasophia

eines fällt mir noch ein: einfach "nur" müde sein geht ja noch. Aber wenn man gleichzeitig innerlich total unruhig ist und so überfordert, dass man weinen möchte, dass ist das Übelste. Das fühlt sich an, als sei man ein Auto bei dem jemand gleichzeitig am Gas und auf der Bremse steht - die Räder drehen am Stand durch aber man schafft nix mehr und innerlich vibriert alles und man kann sich nicht beruhigen.

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in reply to Sofasophia

Ich habe immer Probleme typischen Menschen meinen Energiehaushalt zu erklären.

Klar, kann ich 60 Stunden in 3 Tagen. Klar, ich kann zwei Tage später dasselbe machen. Aber irgendwann falle ich mit infarktartigen Kopfschmerzen um und zittere 48+ Stunden den Stress raus. Dann schlaf ich noch 12+ Stunden.

Es ist ein längerfristiges geistiges Budget, dass in der Lage ist den Körper zu überstimmen, aber das geht nicht unendlich, sondern braucht immer verhältnismäßig viel Ruhe dazwischen.