Mir wird derzeit wieder verstärkt geraten, mich in Sachen Barrierefreiheit & Inklusion nicht mehr zu engagieren, weil es eh nichts brächte & mich nur Zeit & Kraft koste.

Stimmt.

Und dann?

Probleme verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert. Diskriminierung & Ableismus würden nur noch mehr zunehmen, blieben sie unwidersprochen.

Schweigen ist bequem, aber keine Lösung, sondern Teil des Problems.

Deshalb sollten viel mehr Leute laut werden & Betroffene nicht allein lassen.

#Ableismus

in reply to Anya Karl

Ich habe in letzter Zeit mehrmals das Gegenteil bekommen "Du musst viel mehr machen, die Leute wissen doch viel zu wenig." Wenn ich dann drauf hinweise, dass sich etliche Betroffene seit Jahren die Finger wund tippen, Handgelenke kaputt gebärden oder den Mund fusselig reden, man müsse sich nur mal bequemen zum Beispiel deren Social Medias zu folgen ist die Antwort große Augen.

Es gilt doch schon als kühn (2026!), dass ich im öffentlichem Raum stricke.

in reply to Aurora

@aurora
Oh ja, stimmt, das kenne ich auch. Wird gern als "Argument" während Diskussionen rund um Inklusion und Barrierefreiheit angeführt. Als könnten die Menschen sich nicht selbst informieren. Es mangelt wahrlich nicht an Möglichkeiten, lediglich an Interesse und noch mehr an Empathie.

Ist eben auch die perfekte Form von Schuldumkehr. Verantwortung trägt grundsätzlich der behinderte Mensch, nicht der privilegierte, der es sich selbst leicht und anderen schwerer macht.

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in reply to Somlu

Dass ich stricke.

(Für den Kontext ich lebe mit Cerebralparese auf der einen Seite und Polyneuropathie und Neuritis in der anderen Hand sowie Karpaltunnelsyndrom in dem Handgelenk, wenn ich meine Hände bewege sieht es also "etwas anders" aus. Noch dazu bringe ich stark Sehbehinderten das Stricken bei. *Potzblitz und Bauklotz staun DIE können das?!*)

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in reply to Aurora

Danke für den Einblick. Ich hatte mich nämlich auch gefragt, was an öffentlich stricken so besonders sein sollte...
Ich glaube, ein großes Problem mit dem Verstehen* von Ableismus und Barrierefreiheit ist schlicht, dass diese Gesellschaft alle die nicht "der Norm" entsprechen, jahrzehntelang an die Ränder, aus dem Blick verbannt hat. Viele sind es nicht gewohnt, Behinderte im Umfeld zu haben.
*damit meine ich die, die aus Unkenntnis handeln

@AnyaKarl @somlu1968

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Elischeva91 reshared this.

in reply to why_o_why

@hope_n_beauty Ich lebe jetzt 46 Jahre und ich bin sehr oft die erste sichtbar behinderte Person, mit der ein nichtbehindertes Gegenüber zu tun hat. Oder: Die Leute "kennen" Cerebralparese, aber nur die Formen, die mit Tetraspastiken, vermeintlich verminderten kognitiven Fähigkeiten und Vollzeit-Assistenz einhergehen. Wenn ich sage, dass ich keine Schlaganfallpatientin bin, große Augen.

*Nutzt zwar einen Rollator, kann aber laufen, also kann sie es nicht haben*

@AnyaKarl @somlu1968

Elischeva91 reshared this.

in reply to 🇺🇦 KrakelOrakel 🌈 RIP Natenom

@JoernPaulini
Das ist es.

Leider ist es aber nicht nur der mühsame Kampf. Dazu kommt auch noch, wie herablassend sie in sehr vielen Fällen behandelt werden, wenn sie lediglich um Unterstützung bitten, um gleichberechtigt (oder wenigstens irgendwie) teilhaben zu können.

Wenn sie nicht direkt ignoriert werden, wird ihnen immer wieder vermittelt, dass sie eine Belastung seien, und selbst die einfachsten Formen der Barrierefreiheit werden sehr häufig verweigert oder ständig unnötig diskutiert.

in reply to 🇺🇦 KrakelOrakel 🌈 RIP Natenom

@JoernPaulini Ja, sehr häufig könnte man glauben, es gibt gar keine Behinderten, wenn man mal überschlägt, wie es allgemein, leider auch bei Neubauten, um die Barrierefreiheit bestellt ist.

Nicht wichtig genug, zu teuer oder aufgrund der Gegebenheiten halt leider gerade nicht umzusetzen, so endet es meist, bevor es überhaupt angefangen werden konnte.

Danke für deinen Versuch!

in reply to Anya Karl

@JoernPaulini Das ist so traurig aber leider total verbreitet. Sind vor einem Jahr in ein neues Bürohochhaus gezogen und die Kaffeeküche ist in jedem Stockwerk auf einem Podest. Mehrere Kollegen sind schon mit heißen Getränken gestolpert. Und einer der beiden Ausgänge hat Stufen ohne Rampe. Wer die nicht nehmen kann, muss halt um das ganze Gelände herum 😢
in reply to Anya Karl

geht mir mit Veganismus genau so.
Als ich das Thema in einer Gruppe mal angesprochen habe hieß es ich solle das lassen.
Wenn ich Leute für das Thema begeistern wolle solle ich mir n Social Media Kanal dafür machen aber das im privaten raus lassen.

Hab noch nie jemanden in linken Kreisen gehört der gesagt hat Rassismus solle man erst mal sein lassen und die Leute nicht damit nerven.

Aber auf Barrierefreiheit achten oder seinen Konsum umstellen ist halt anstrengend 🤷

in reply to lkwtelefon

@lkwtelefon
Zustimmung von hier.

Da passt jetzt sehr gut, dass ich mich auch für Veganismus engagiere. Offensichtlich habe ich einen Hang zu Themen, mit denen man sich so richtig unbeliebt machen kann. Wenn schon Außenseiter, dann so richtig und mit Anlauf.

Wobei die negativen Reaktionen beim Veganismus nicht weniger erschreckend, aber oft deutlich aggressiver sind.
Der Grund liegt auf der Hand. Im ersten Fall müssten Privilegierte etwas zusätzlich tun, im zweiten aber Gewohntes eliminieren.

in reply to Anya Karl

@Anya Karl
@Jan Oczenasek

Vor allem sind manche Touchscreens so unübersichtlich, dass selbst eigentlich ansonsten fähige Personen Mühe haben, sich zurechtzufinden. Manchmal möchte ich sagen: Entweder macht eine gescheite UX/UI Idee hängt Gleichmaß eine Gebrauchsanweisung mit auf. Der eine Carrè four hat Selbstbedienungskassen mit Touchscreen. Aber die Benutzerführung ist einfach nur schrecklich und alles andere als selbsterklärend. Da stelle ich mich freiwillig lieber an die klassische Kasse

in reply to Anya Karl

ich wage mal den Widerspruch mit "stimmt nicht!"- zumindest bei dem "bringt nichts".

Es wird oft davon ausgegangen, dass keine spürbare Veränderung bedeuten würde, dass es nichts brächte. Das ist einfach nicht wahr.

1. Veränderung muss massiv und recht öffentlichkeit sein, um spürbar zu werden. Viele kleine Erfolge werden aber nur selten wahrgenommen.
2. Veränderung muss kein Indikator sein, stillstand kann auch "kein Rückschritt" bedeuten. (Manchmal traurig, aber dennoch relevant)