Exposé zu meinem Buchprojekt
Exposé
„Fünfzehn Tage im Oktober“ - Autor: Thomas Elias
Genre Belletristik – zeitgenössischer Entwicklungsroman
Länge Zeichen mit Leerzeichen
Erzählte Zeit: zweieinhalb Wochen im Oktober, Gegenwart
Schauplätze: Kambodscha: eine Pagode im Dschungel, Angkor Wat, Siem Reap
Deutschland: Frankfurt, Bremen
Zusammenfassung
Bei einem Kambodscha-Urlaub nimmt Christian Weinand eine Einladung eines jungen Mönchs in sein Kloster an. Dort findet er Michael, in den er einst unglücklich verliebt war – schwerkrank, bewusstlos und von den Mönchen gepflegt. Erschüttert fragt sich Christian: Was ist mit Michael passiert? Die Wiederbegegnung als Wink des Schicksals begreifend, reflektiert Christian an Michaels Krankenlager seine Jugendliebe, seine Reifung zum Mann und zum erfolgreichen Mediziner. Er teilt sich mit den Mönchen die Pflege des Kranken, erzählt ihm von sich und erinnert ihn an gemeinsame Erlebnisse. Als sich seine Hoffnung, Michael auf diese Weise zurückzuholen, nicht erfüllt, bittet er befreundete Mediziner aus Siem Reap um Hilfe. Doch weder deren westlicher noch der fernöstlichen Heilkunst der Mönche gelingt dies, und Christian muss einsehen, dass er Michael loslassen muss. Er kann ihn nur noch beim Sterben begleiten.
In den klösterlichen Ritualen wunderbar geborgen führt er berührende Gespräche mit den Mönchen, und allmählich beginnt Christian zu verstehen, dass die schicksalshafte Begegnung mit Michael einen Schatz für ihn birgt: Er erkennt, dass es in der unglücklichen jugendlichen Beziehung keine Schuldfrage gab. Und die Nähe und Freundschaft, die er in jenen fünfzehn Tagen in Kambodscha durch die Mönche und die Ärzte erfahren durfte, lassen ihn begreifen, dass es die unsichtbaren Barrieren, die er um seine eigene Verletzlichkeit gebaut hatte, nicht braucht.
Kurzporträts der Romanfiguren
Christian Weinand ist ein Arzt aus Bremen, der zum wiederholten Mal nach Kambodscha reist, diesmal, um seine Pensionierung mit einem Urlaub einzuleiten. Er hat eine erfolgreiche Karriere hinter sich, im Laufe derer er jedoch nach und nach seinen inneren Wertekompass verloren hat. Durch eine ambivalente Jugendliebe verletzt und verunsichert, kann er emotionale Nähe als Erwachsener nicht mehr zulassen. Er ist jedoch offen und neugierig geblieben, weshalb er der Konfrontation mit sich selbst nicht aus dem Weg geht.
Michael Christenheit: Michael ist Autist. Seine Schönheit, gepaart mit einer Aura des Unnahbaren, der Ruhe und Kraft, macht ihn in seiner Jugend zum Mittelpunkt der Clique. Seine Unfähigkeit, adäquat auf Beziehungsangebote einzugehen, lässt ihn selbst ratlos zurück und wird ihm zum Verhängnis, als er unbeabsichtigt seine Verehrerin Marion in den Tod stößt.
Marion: Marion, Klassenkameradin von Christian und Michael, ist verliebt in Michael. Wie alle anderen erkennt sie seinen Autismus nicht. Sie drängt sich ihm auf und findet den Tod, als er sie von sich stößt und sie vom Dach eines Hauses fällt.
Samnang: Samnang ist ein liebenswerter und unbeschwerter junger Mönch. Er ergreift die Initiative und bittet Christian in seine Pagode, wo dieser dem unbekannten, schwerkranken Europäer helfen soll.
Kosal: Kosal ist ein kluger und ernsthafter Mönch, der Christian die Gepflogenheit des Klosters erklärt und ins Englische übersetzt. Samnang und Kosal sind ein Paar.
Prea und Nihan: Vorsteher der Pagode. Sie sind weise und zurückhaltend, geben dem Kloster und seinen Bewohnern Rat. Sie sind ebenfalls ein Paar, allerdings wesentlich diskreter, als ihre jungen Mitmönche.
Dr. Chan, Dr. Kanika: mit Christian befreundete Ärzte aus Siem Reap. Sie sind engagiert und kompetent.
Inhaltsangabe
Bei seinem Besuch von Angkor Wat sieht Christian Weinand vor seinem inneren Auge, wie König Suryavarman II. einstmals den Bau der Tempelanlage plante, als ihn ein junger Mönch anspricht. Dieser stellt sich als Samnang vor und lädt Christian in sein Kloster ein. Offen und neugierig lässt Christian sich auf dieses Angebot ein. In der Pagode wird Christian willkommen geheißen und erhält Speisung und einen Schlafplatz. Am Lagerfeuer erlebt er die Gemeinschaft der Mönche. Am nächsten Tag erklären ihm die Mönche, dass sie eine Bitte an ihn haben: Unter ihrem Dach befindet sich ein bettlägeriger, offensichtlich schwerkranker Europäer. Bauern fanden ihn; niemand weiß, was ihm widerfahren ist. Er ist nicht ansprechbar. Als Christian, von Beruf Chirurg, seine Vitalfunktionen prüft, erkennt er in dem Patienten Michael, mit dem ihn in seiner Jugend eine unglückliche Liebe verband. Christian ist erschüttert. Während er den Kranken mit Tee, Reisbrei und Obst versorgt, beginnt er, sich zu erinnern:
Er ist vierzehn, als er Michael kennenlernt, unerfahren und eher eine Randfigur im sozialen Biotop. Michael hingegen umgibt eine Aura der Ruhe und Kraft, und nicht nur Christian fühlt sich magisch von ihm angezogen. Besonders Marion hat es auf Michael abgesehen. Auf seine schüchterne und behutsame Art versucht Christian, Michaels Aufmerksamkeit zu gewinnen, was ihm erst gelingt, als er eine Einladung zu einer Fete erhält. Beim Aufräumen am nächsten Tag nähern sich beide einander an und es kommt zu einer gemeinsamen Nacht. Christian ist heftig verliebt, aber sein Glück endet schon am nächsten Tag, da Michael ihn in der Schule ignoriert. In einem steten Spannungsfeld von Zurückweisung und Wiederannäherung lebt Christian unglücklich und zerrissen, bis die Beendigung ihrer Schullaufbahn die beiden auf Jahre trennt.
Christian wird früh selbstständig und macht Karriere als Arzt. Seine Verletztheit verschließt er tief in seinem Herzen. Er bewältigt die schmerzliche Erfahrung, indem er sein Umfeld zu kontrollieren lernt und niemanden mehr wirklich an sich heranlässt – auch wenn er ein reges Beziehungsleben pflegt. Zehn Jahre nach dem Abitur sehen sich beide bei der Beerdigung eines Schulfreundes wieder. Michael möchte Christian etwas über Marions Tod mitteilen. Doch Christian pflegt seinen verletzten Stolz und blockt Michaels Annäherung ab.
Währenddessen geht das klösterliche Leben seinen ritualisierten Gang: Kochen, Fegen, Baden im Flussbett, gemeinsame Mahlzeiten. Christian nimmt teil und führt immer wieder berührende, fast philosophische Gespräche mit den Mönchen Samnang und Kosal, aber auch mit den Klostervorstehern Prea und Nihan.
Christian sitzt an Michaels Krankenlager und versucht, Brücken zu dessen Geist zu bauen, indem er ihm Geschichten von sich und ihrer gemeinsamen Vergangenheit erzählt.
Dann beschließt Christian, bei befreundeten Ärzten in Siem Reap ein Medikament zu besorgen, das Michael vielleicht helfen kann. Von Dr. Chan erhält er das Gewünschte, und er nutzt seinen Aufenthalt in der Stadt für eine genussvolle Massage und lädt Samnang zu einem köstlichen Essen ein.
Zurück in der Pagode leitet er die Behandlung ein. Michaels Zustand verändert sich. Er befindet sich offenbar im Aufwachprozess und scheint Christian zu erkennen.
Die Mönche übergeben Christian Michaels Tasche mit Geld, Papieren, Aufzeichnungen und Medikamenten, die ein Bauer abseits des Weges gefunden hat. Christians Verdacht, Michael könnte anfänglich einen allergischen Schock erlitten haben, bestätigt sich, und er fragt sich, ob er ihn retten kann. Seine Gedanken drehen sich um Loslassen und Akzeptanz. Er beginnt, sein Bedürfnis nach Kontrolle zu reflektieren. Anhand von Michaels Papieren rekonstruiert Christian dessen Reiseroute. Michael schwebt unterdessen zwischen Traum und Wirklichkeit. Die Klostervorsteher empfehlen das Chanten – eine Meditation, bei der ein Gebet leise, melodisch und rhythmisch wiederholt wird –, um Michael zu helfen, den Geist in Ordnung zu bringen, das Herz zu öffnen und die innere Unruhe loszulassen.
Christian gönnt sich eine weitere Auszeit in Siem Reap. Abends, in der Pagode, fiebert Michael, und Christian schickt nach Dr. Chan. Statt seiner kommt Dr. Kanika, die das bisherige Bemühen Christians und der Mönche lobt und in Ermangelung moderner Medikamente eine provisorische Antibiose einleitet. Während Christian mit den Klostervorstehern über westliche und fernöstliche Heilkunst spricht und die Mönche weiter an Michaels Krankenlager chanten, erwacht Michael, ist jedoch nicht in der Lage, zu sprechen. Christian scheitert damit, von Michael Antworten auf seine Fragen zu erhalten: Warum ist Michael allein in Asien unterwegs? Warum hatte er sich seinerzeit so ambivalent gegenüber Christian verhalten? Was hatte er Christian bei ihrem letzten Aufeinandertreffen mitteilen wollen?
Dann trifft, von Dr. Chan gesandt, der junge Arzt Chivan ein: Die Labordaten zeigen, dass Michael eine Sepsis erlitten hat. Christian fährt ein drittes Mal nach Siem Reap, um Rat und Hilfe einzuholen. Dr. Chan jedoch rät von einer erneuten suboptimalen Antibiose ab; Michaels Zustand sei zu kritisch. Christian muss erkennen, dass er Michael nur bis zu seinem Tod begleiten kann. Das anschließende Gespräch mit Dr. Chan lässt Christian erkennen, dass er in seiner Jugend mit seiner unmöglichen Liebe zu Michael einem Trugbild nachgejagt ist. An Michaels Seite sitzend ereilt ihn die späte Erkenntnis, Michael könne autistisch und deshalb zu einer emotionalen Bindung nicht befähigt sein. Somit kann er sich endlich von seinen Selbstzweifeln befreien.
Mit einer letzten Anstrengung und Aufflackern von Klarheit spricht Michael. Er bittet Christian, in seiner Frankfurter Wohnung nach einem Tagebuch zu suchen. Christian ist bei ihm, als er stirbt. In diesem Moment begreift er, dass die Begegnung mit Michael ihm die Chance eröffnet, in seinem Leben noch einmal die Weichen neu zu stellen.
Am nächsten Tag wird Michaels Leichnam mit einem Trauerritual verbrannt, und Christian verabschiedet sich wehmütig von den Mönchen. Mit Michaels Asche in einer Tupperdose reist er zurück nach Deutschland, wo er in Frankfurt und Bremen auf Spurensuche geht. Aus Christians Aufzeichnungen erfährt er, wie Michael ungewollt Marions Tod verschuldete, was ihn zeitlebens belastete. Christian findet niemanden, der Michael nahestand oder etwas über ihn erzählen kann. So trifft er die einsame Entscheidung, seine Asche heimlich im Garten von Michaels Elternhaus in einem Ritual zu verstreuen. Er ist dankbar, dass er noch einmal neu verstanden hat, was zählt: Nähe und Freundschaft.
Zitat
„Hier ist die Welt flüssig, immer in Bewegung, immer bereit, mich in eine Richtung zu treiben, die ich nicht erwartet habe. Und gerade das macht es so lebendig. Ein Mönch lädt mich in sein Kloster ein – ein Ort, den ich mir nur in romantischen Bildern ausmale: goldene Dächer, der Duft von Räucherstäbchen, das Murmeln von Gebeten. Ein Raum, der sich anfühlt wie eine andere Zeit. Und ich? Ich lasse mich treiben, dorthin, wo die Dinge geschehen.“
Autorenvita
Fiktives Kurzinterview mit Thomas Elias
Interviewer: Herr Elias, Sie sind in Bremen aufgewachsen. Wie würden Sie Ihre Herkunft beschreiben?
Thomas Elias: Ich war Thomas Murata, ein staatenloses Kind einer jüdischen Tänzerin aus Paris und eines, in Dänemark geborenen, japanischen Artisten. Wir wuchsen in bitterer Armut auf, ungewollt zwangseingewiesen in die Wohnung fremder Menschen. Mein Vater verließ meine Mutter mit 30.000 DM Schulden, bevor ich seiner Gewahr wurde. Meine Mutter zahlte noch bis Mitte der 70er Jahre ab.
Interviewer: Sie engagierten sich früh als Aktivist in der schwulen Community. Warum?
Thomas Elias: Weil meine Community brannte. In den Achtzigern war AIDS kein Kapitel, sondern ein Krieg. Ich war nach meinem ersten Studium junger Medizinreferent bei der AIDS-Hilfe Bremen. Einer der Menschen der ersten Stunde, aber stets in der zweiten Reihe.
Interviewer: Warum die zweite Reihe?
Thomas Elias: Unsere Eltern lehrten uns, dass dass exzellenter Erfolg hundertprozentige Hingabe verlangt und dafür den Verzicht auf vieles, was nicht dorthin führt. Das Leben hat jedoch mehr, als nur eine einzige Sache zu bieten.
Interviewer: Mit 52 haben Sie Ihr viertes Studium abgeschlossen, als Jahrgangsbester. Was treibt Sie an?
Thomas Elias: Da war ich mal so richtig stolz. Neugier ist mein Motor, Empathie mein Kompass und Hartnäckigkeit mein Geländer. Wir lernten früh, uns für nahezu alles zu interessieren, - ohne einen besonderen Grund zu haben. Als nächstes würde ich sehr gerne Philosophie studieren.
Interviewer: Haben Sie ein Motto fürs Leben?
Thomas Elias: Eher eine Empfehlung. Das Leben sollte keine gepflegte Ankunft im Grab sein. Man sollte eher seitlich hineinschlittern, der Körper völlig verbraucht, zerschunden und abgenutzt, ein Sektglas in der Hand, und rufen können: Wow! Was für eine Fahrt!
Danke Herr Elias. Eigentlich sollte das ja eine Autorenvita werden.
Thomas Elias: Höre ich da eine kleine Kritik heraus? Nun, ich könnte Ihnen meine Daten herunterbeten oder wirklich von mir erzählen. Ich habe das Gefühl, Sie werden es vielleicht so mehr mögen und vor allem: So macht es mir auch noch mehr Spaß.